17. August 2019
Nie hätte ich gedacht, dass so etwas möglich ist. Ich glaube es jetzt noch nicht, will es nicht glauben. Und doch beweist schon die Tatsache, dass ich unsere kindische Geheimschrift wieder verwende, dass ich gegen meinen Willen mit mehr als einer Faser überzeugt bin, dass es doch möglich ist. Was habe ich früher über Ulis Schrift gespottet und über die banalen Geheimnisse, die sie wahrscheinlich dahinter verbarg. Harmlose Kindereien. Und jetzt fülle ich selbst Seiten mit diesen Zeichen...
Lyrik · 03. August 2019
Stilles Glück Die Morgensonne lacht durchs Fenster unten zieht der Fluss vorbei. Eine Nacht ohne Gespenster keine Sorgen, kein Geschrei. Auf der sanft gekrausten Fläche spiegelt hell das Sonnenlicht - dieser Tag ist mir gegeben, alles andere frag’ ich nicht. © by Elisabeth Schinagl 2019 Alle Rechte vorbehalten
Lyrik · 25. Mai 2019
Die Preisverleihung Ein Wettbewerb, so dacht’ ich mir, das ist genau mein Fall, mein Bier. Da muss ich hin, da muss ich sein! Mir fallen schöne Worte ein, die von der Bühne ich verkünde, das Publikum mich gut verstünde. So setze ich mich also hin, den guten Text nur noch im Sinn. Ich wähl’ die Worte, mühe mich, der Kopf qualmt mir ganz fürchterlich. Ein Text entsteht, er ist famos, ganz tiefgründig und wirklich groß. Den reiche ich ganz stolz jetzt ein - bald werde ich...
Kurzgeschichte · 17. Mai 2019
Im Würzburger Liebesgärtlein Diese Geschichte verdanke ich einer lieben jungen Bekannten. Gemeinsam mit ihrer Freundin besuchte sie den Grashof des Kreuzgangs im Würzburger Neustift, das sogenannte Lusamgärtlein, ein kleines, romantisch abgeschirmtes Geviert, das von den Einheimischen zärtlich das Liebesgärtlein genannt wird. Man hatte den beiden Studentinnen erzählt, dass unglücklich Liebende dorthin kommen und Blumen auf einen Stein legen; sobald die Blumen verwelkt sind, soll dann...
Kurzgeschichte · 16. März 2019
Die ersten Male hatte sie es einfach für einen belanglosen Zufall gehalten, ein Versehen. So etwas konnte vorkommen. Dann stellte sie erstaunt fest, dass sich die vermeintlichen Zufälle häuften. Und nun das. Sie waren eine ganze Zeit lang im selben, halb leeren Bus gefahren. Unmöglich, einander da nicht zu bemerken. Trotzdem tat er so als sehe er sie nicht, als wäre sie nicht zur selben Zeit mit ihm hier drinnen oder doch nur ein beliebiger, weiterer Fahrgast, eine ihm unbekannte Frau....
Lyrik · 31. Dezember 2018
Zum neuen Jahr Das alte Jahr ist grad vergangen das neue hat kaum angefangen. Dreihundertfünfundsechzig Tage - gar mancher stellt sich leis die Frage, was es wohl alles bringen werde an Freuden und auch an Beschwerde. Mein lieber Freund, ich weiß es nicht. Doch wünsch ich dir mit dem Gedicht Gesundheit, Mut und Zuversicht. Vertreib die Sorgen, nähr sie nicht! © by Elisabeth Schinagl 2019 Alle Rechte vorbehalten
Kurzgeschichte · 17. November 2018
Den Schriftsteller Max von der Grün habe ich bis vor kurzem ausschließlich mit dem Ruhrpott in Verbindung gebracht. Was ich nicht wusste: Von der Grün wurde 1926 in Bayreuth geboren und wuchs in Schönfeld bei Mitterteich auf. Eine harte Zeit, acht Jahre nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg. Grün ist das Kind armer Eltern, seine Mutter ist Dienstmagd, sein Vater Schuhmachergeselle ohne feste Anstellung. Weil die Mutter arbeiten muss, wächst der Junge bei seinen Großeltern auf. Arbeit gibt...
Lyrik · 27. Oktober 2018
Getrieben Zwischen Noch nicht und Nicht mehr treiben ewig wir umher, sind Spielball nur im Fluss der Zeit und Strandgut der Vergänglichkeit. Der Zeitstrom gönnt uns keine Ruh' er trägt uns weiter immerzu und würden wir auch gern verweilen - wir müssen dennoch weiter eilen. © by Elisabeth Schinagl 2018 Alle Rechte vorbehalten
Kurzgeschichte · 18. September 2018
Das mittelfrankische Städtchen Zirndorf ist deutschlandweit vor allem für sein Aufnahmelager bekannt. Wie Strandgut werden Menschen aus aller Herren Länder hier angeschwemmt. Sie verbindet bei allen kulturellen, ethnischen, religiösen und persönlichen Unterschieden einzig und allein der traurige Umstand, fremd in diesem Land Deutschland zu sein. Seltsamer Zufall, dass sie ausgerechnet nach Zirndorf kommen - oder besser gesagt, dass sich ebendieses Auffanglager ausgerechnet in Zirndorf...
Kurzgeschichte · 02. September 2018
Als meine Kinder noch klein waren, habe ich ihnen oft Märchen vorgelesen. In einem, war als Motiv wiederkehrende Verse eingefügt, die auf mich einen ganz besonderen Zauber ausübten. Oh, du Falada, der du hangest, Oh du Jungfer Königin, da du gangest, wenn das deine Mutter wüsste, das Herz tät ihr zerspringen. Mit diesen Worten grüßt der abgeschlagene, an ein Tor genagelte Pferdekopf des Falada die ins Unglück gestürzte Königstochter und er symbolisiert damit die Liebe ihrer Mutter,...

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