Lyrik · 22. Januar 2021
Im Garten steht ein Futterhaus dort fliegen Vögel ein und aus. Sie picken hier, sie picken dort Verweilen kurz – schon sind sie fort. Mein Garten ist ein Tummelplatz für Amseln, Finken, Specht und Spatz. Sie piepsen, flattern, fliegen munter ein Zweiglein rauf, ein Zweiglein runter. Ich schaue mir ihr Treiben an, genieße es, hab Freude dran und in so manchen trüben Stunden hab ich dabei schon Trost gefunden. © by Elisabeth Schinagl 2021 Alle Rechte vorbehalten
Literarische Porträts · 03. Januar 2021
Die Frau, um die es hier geht, ist weder in einem Geschichtsbuch noch in irgendeinem Lexikon zu finden. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn sie hat sich weder in der Wissenschaft noch in der Literatur, weder politisch noch gesellschaftlich in irgendeiner Weise hervorgetan. Dennoch finde ich ihre Geschichte so bemerkenswert, dass ich sie hier erzählen möchte. Denn für mich ist diese Frau eine Heldin des Alltags. Gestoßen bin ich auf sie mehr oder weniger durch Zufall, quasi en...
Romanauszug · 03. Oktober 2020
Heldengedenken Für den Spätnachmittag war wieder ein Heldengottesdienst angesetzt. Willi war davon wenig begeistert, denn das bedeutete für den heutigen Tag eine vorzeitige Beendigung ihrer Spiele. Ausgerechnet heute! Da war es ganz besonders ärgerlich. Gestern erst hatten er und seine Freunde einen wahren Schatz gefunden, von dem sie zunächst überhaupt nicht gewusst hatten, was sie damit anfangen sollten. Doch Josef hatte vor dem Einschlafen noch eine Idee gehabt, die er ihnen dann heute...
Literarische Porträts · 12. August 2020
Dem Schrecken des Zweiten Weltkriegs hat München über verschiedene Wege und Umwege zwei ursprünglich Dresdner Gewächse zu verdanken: Mein Lieblingscafé Kreutzkamm, berühmt für seinen original Dresdner Baumkuchen und bis zu seinem Umbau mit seiner angenehmen Atmosphäre ein idealer Rückzugsort nach einem harten Arbeitstag oder wenn mein wundes Herz aus anderen Gründen Linderung brauchte. Für mich der ideale Ort, um über Gott und die Welt nachzudenken oder einfach die Seele baumeln zu...
Lyrik · 20. Juni 2020
Trunken vom Sud aus Hass, Neid und Wut die Äste zerhackt, die Wurzel gekappt. Ganz ohne schlechtes Gewissen das Laub vom Baume gerissen, auf dass in ewigem Fluch verdorrt das einstige Blühen und Grünen. Den Früchten des Geistes Zerstörung und Mord im Land der Dichter und Denker! Ein Volk sich und andern zum Henker. © by Elisabeth Schinagl 2020 Alle Rechte vorbehalten
Literarische Porträts · 22. März 2020
Mein Schwiegervater liebt die bayerischen Alpen, ich die Literatur. So vereinbaren wir einmal einen Familienausflug auf die Tuften, Thomas Haus in Tegernsee. Zugegeben: Thoma gehörte bis dato nicht zu meinen Lieblingsautoren – ehrlich gesagt hatte ich bis zu diesem Ausflug noch nicht eine Zeile von ihm gelesen. Bekannt waren mir seine Lausbubengeschichten oder der Einakter Erster Klasse durch, gelinde gesagt, süßliche Verfilmungen, die Filserbriefe kannte ich zwar vom Titel, aber nicht...
Literarische Porträts · 18. Februar 2020
Eigentlich gehören weder mein Mann noch ich zu den Sammlernaturen. Trotzdem verfügen wir in unserem Haus allmählich über eine beachtliche Kollektion an Eulen der unterschiedlichsten Größen und Materialien – allesamt Geschenke. Dass wir ausgerechnet mit Eulen beschenkt werden, hat seinen Grund in einer Familientradition: Besucher, die zu uns kommen, werden gebeten, sich mit einer Eule im Gästebuch zu verewigen. Wieso ausgerechnet Eulen? werden wir immer wieder gefragt. Die Gründe...
Literarische Porträts · 07. Februar 2020
Der Leser möge mir verzeihen, wenn ich mit diesem Titel Anleihen bei Fontane nehme; immerhin wurde die Autorin, um die es in diesem Porträt geht, passenderweise mit dem Fontane-Preis ausgezeichnet. Doch das ist nicht der eigentliche Grund. 'Unwiederbringlich' deshalb, weil Annette Kolb in ihrem Roman Die Schaukel in eine Welt entführt, die zur Entstehungszeit des Werks bereits unwiederbringlich vergangen ist. Ihr Roman ist wie der Schwanengesang auf eine verschwundene Welt. Er versetzt seine...
Kurzgeschichten · 24. Januar 2020
Heute habe ich die Hoffnung begraben. Einfach so. Ohne großes Tamtam. Ich habe sie in eine gebrauchte Schachtel gelegt, die seit Tagen zufällig von einer Paketsendung in der Wohnung rumstand, und sie zum alten Gerümpel in den Keller getragen. Danach habe ich die Fenster geöffnet, frische Luft hereingelassen und tief durchgeatmet. Die Wohnung kam mir mit einem Mal geräumiger vor, irgendwie strahlender, wie von altem Staub und Moder befreit. Und weil auch ich mich frischer, ja geradezu...
Kurzgeschichten · 20. Dezember 2019
Den Bürgermeister hatte er schon erspäht. Der saß gemeinsam mit Frau und Kindern einige Bänke vor ihm. Er würde ihn später draußen noch in ein Gespräch verwickeln, das würde zumindest für ein wenig zusätzliche öffentliche Aufmerksamkeit sorgen. Ansonsten war von den Honoratioren keiner da. Ärgerlich, aber nicht zu ändern. Später, in der Christmette für die Erwachsenen, würde es anders sein. Da war er sich sicher. Er hatte sich dennoch für den Besuch der Kindermette am späten...

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